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Geschichten und Gedichte

Die hier veröffntlichten geschichten und Gedichte stammen in der Regel von Autoren aus dem Rudel. Wir bitte daher diese nicht zu verwenden, wenn wir (Alphas und der Autor) nicht unsere Erlaubnis dazu gegeben haben. Es gibt auch die Möglichkeit hier Texte zu veröffentlichen, die nicht von Rudelmitglieder stammen, doch das geschieht nur mit Erlaubnis des Verfassers. Solltet ihr Anmkerungen zu den Geschichten haben, Lob oder Kritik, dann bringt diese im Gästebuch oder im Forum an - wir freuen uns über aufmerksame Leser.

Ansonsten wünschen wir viel Spaß beim Lesen!

 

Gedichte

Leben
Autor: Shiru
Anmerkung: Zur Geburt der Welpen


Wärmende Sonnenstrahlen begrüßen den frischen Morgentau
Leiten einen neuen Tag ein
Die Nacht war sehr lang das wissen wir nur zu genau
Doch nun ist es vollbracht und wir stimmen in ein
Freudengeheul ein

Neues Leben ist erwacht
Vier Welpen heißen wir willkommen
Endlich nach so langer Schlacht
Hat nun ein neuer Abschnitt für uns begonnen

Freude macht sich in unseren Herzen breit
Zufrieden blicken wir einander an
Ja, nun sind wir bereit
Gemeinsam gehen wir voran

Ein ganzes Leben liegt nun vor den Kleinen
So vieles zu lernen und zu entdecken
Und wir werden sie auf diesem schwierigen Weg begleiten
Sie unterstützen und ihnen Liebe schenken

Diesen Tag wollen wir ehren
War er doch einer, der uns Hoffnung gab
Und Mutter Erde will uns wieder lehren
Welch Wunder das Leben für uns beinhalten mag

Schützt das Leben in all seinen Lagen
Wisst zu schätzen, was uns gegeben ist
Denn es ist das Wertvollste was wir haben
Unersetzbar und mit begrenzter Frist

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Nebelreich
Autor: Runa
Anmerkung: -

Wie Nebelfäden, lautlos weich
Vom Wald verdeckt, vom Nebel versteckt
Die geschmeidigen Körper im Lauf gestreckt
So jagen sie durch ihr Reich


Jede Bewegung voll Stolz und Mut
Die Ohren lauschen des Windes Wispern
Der Wald scheint sanft zu ihnen zu Flüstern
Doch alles außer ihnen ruht


Im Nebel bricht sich der Sonne Licht
Beleuchtet das herrliche Bild der Idylle
Beleuchtet das Bild von Freiheit und Fülle 
Wer fragt schon nach Rang und Pflicht? 

Sie fliegen auf den Flügeln der Freiheit
Mit all ihrem Selbst dem Lauf hingegeben
Es ist ihre Suche nach dem wirklichen Leben
Vergessen sind Raum und Zeit


Sie jagen dahin, dem Winde gleich
Zwei Wölfe im ewigen Strudel der Zeit
Kein jetzt, kein morgen, nur Ewigkeit

Verloren in ihrem Nebelreich

 

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Geschichten

 

So wie immer - You Must Love Me (SongFiction)
Autor: Runa 
Teil: 1/1  
Warning: sad, Tod
Disclaimer: die vorkommenden Charaktere sind frei erfunden. der Text von „You Must Love Me“ ist von Tim Rice und die Musik von Andrew Lloyd Weber (aus „Evita“)
Anmerkung: für mich die erste SongFic


Where do we go from here?
This isn't where we intended to be
We had it all
You believed in me
I believed in you


Langsam fiel der Schnee nieder.
Die dichten Flocken wirbelten federleicht durch die Luft und blieben hier und dort liegen. Der Ganze Wald war in eine kalte, weiße Decke gehüllt. Nur ein feiner Nebel zog sich zwischen den Bäumen entlang, so sanft wie ein Schleier. Die Sonnenstrahlen wirkten darin geheimnisvoll, doch das ganze Bild vermittelte das Gefühl von vollkommener Ruhe und Gleichgewicht des Lebens.
Zwischen den Bäumen jedoch zog sich eine Spur entlang, doch die Abdrücke waren unregelmäßig, beinah schleppend und durch den Schnee zogen sich rote Tropfen. Die Farbe ähnelte Rost, doch wenn man genauer hinsah, erkannte man die unvergleichliche Farbe von Blut. Es war ein seltsamer Kontrast zu der scheinbar unendlichen, weißen Fläche.
Die Schneeflocken fielen sanft auf sie herab wie eine Decke. Sie bewegte sich nicht mehr. Ihre fehlte die Kraft, um noch weiterzugehen, doch sie war nicht alleine. Keiner von ihnen wusste, wie die Zeit sich so hatte ändern können, wie sie von dem Moment, in dem sie das Gefühl hatten höher zu schweben als alles andere, alles erreicht zu haben, hierher gekommen waren. Doch nun waren sie dort, auch wenn sie es nicht beabsichtig hatten. Welche Wege blieben ihnen noch offen? Was konnten sie anderes tun als vertrauen. Vertrauen, wie sie es schon einmal getan hatten, ohne dass sie nicht die Höhen des Lebens erlebt hätten, bevor sie fielen. Es war der Preis den alle zahlen mussten, früher oder später.


Certainties disappear
What do we do for our dream to survive
How do we keep all our passions alive
As we used to do?


Alles, was früher selbstverständlich gewesen war, was sie immer begleitet hatte, schien meilenweit weg. Geblieben waren Erinnerungen, Träume. Doch Letzten Endes schien das ganze Leben ein einziger Traum gewesen zu sein. Sie hatten einen Traum gelebt. Den Traum des Lebens, auf dem man, wenn man wollte, hoch hinaus fliegen konnte, hoch oben auf den Flügeln der Freiheit. Es war alles, was ihrem Leben den Sinn gab. Doch es entglitt ihr und sie wussten es beide. Er hatte Angst. Nicht vor dem Tod, nur vor der Einsamkeit.
„Wie sind wir hier hergekommen? Haben wir nur geträumt?“ Es war die einzige Frage, die ihm immer wieder durch den Kopf ging und versuchte die Trostlosigkeit in ihm, die ihn fast bewegungsunfähig zu machen schien, zu dämpfen und die Hoffnungslosigkeit zu verdrängen.
„Und wenn es so war?“ Sie war schwach, doch noch hatte sie ihre Stimme nicht verloren. „Es war ein schöner Traum. Wir müssen ihn nur am Leben erhalten.“
„Das werden wir.“
„Wie?“
„So, wie wir es immer getan haben.“ Doch er wusste selbst nicht, ob er seinen eigenen Worten Glauben schenken sollte.


Deep in my heart I'm concealing
Things that I'm longing to say
Scared to confess what I'm feeling
Frightened you'll slip away
You must love me
You must love me


Er wusste nicht, ob sie ihm glaubte.
Sie wusste nicht, ob er sich selbst glaubte. Sie wusste nur, dass sie sich fürchtete. Die Zukunft lag immer in greifbarer Nähe, sodass man wählen konnte, welche man erfasste. Doch das war vorbei. Jetzt war nur noch ein Weg dort, den sie beschreiten konnten.
Sie schwieg. Sie konnte es nicht zugeben. Sie wollte nicht aufgeben. Ihr Gedanken waren nur auf eins gerichtet: den Weg vor ihr. Sie wünschte sich umkehren zu können, doch da war Nebel, der ihr die Sicht versperrte. Der Nebel war überall. Er umfing sie kalt und doch so weich.
Sie wollte reden, es ihm sagen, ihn bitten, auf sie zu warten, dass er nicht aufgeben sollte und gleichzeitig auch... Abschied nehmen. Doch sie wagte es nicht, auch wenn die Worte ihr in der Kehle steckten und ihr den Atem zuzuschnüren schienen. Mit aller Macht drängten sie sich aus ihr heraus, doch die Angst war noch größer. Die Angst, dass er ihr entschwinden könnte, jetzt auf dem letzten Weg. Sie wollte etwas sagen. Sie wusste, dass ihr kein Ausweg mehr blieb, auch wenn sie es verdrängen wollte.
Alles, was sie sich jetzt noch wünschte, war ein Satz der Bestätigung. Drei einfache Wörter, die ihr sagten, dass ihre Gemeinschaft nicht nur Mitteln zum Zweck gewesen war, ein Mittel zum Überleben. Nur diese drei Wörter, um dem Rest ihres Lebens, der ihr noch geblieben war, einen Sinn zu geben...
Doch um sie herum war Stille.


Why are you at my side?
How can I be any use to now?
Give me a chance and I'll let you see how
Nothing has changed.


Die Stille umhüllte sie wie der kalte Nebel. Sie schloss die Augen. Es war Zeit. Worte blieben aus und der Traum würde vergehen. Vielleicht gab es ‚Danach’ und vielleicht gab es auch dort Träume. Sie würde sie dorthin mitnehmen. Nur die Erinnerungen, die würden zurückbleiben und schwinden.
Sie spürte einen warmen Atem nah an ihrem Gesicht. Seine Augen ließen sie nicht los. Warum war er noch hier?
„Geh“, murmelte sie bitter. „Hörst du denn nicht die Schreie der Jäger. Flieh und rette deine eigene Haut, meine ist verloren. Wir haben uns früher geholfen, aber jetzt habe ich keinen Nutzen mehr für dich.“ Sie keuchte und aus ihrem Mundwinkel floss ein kleines Rinnsal Blut.
„Die Jäger sind fort. Ich bleibe hier.“
Ein Hoffnungsfunke keimte in ihr auf. War noch nicht alles verloren?
„Warte auf mich! Es wird wieder gut, geh nur nicht fort!“, stieß sie verzweifelt hervor, doch es schien vielmehr nur ein leises Winseln zu sein. „Es wird wieder alles so sein wie früher", murmelte sie schwach. "Das Leid ist nur von kurzer Dauer, doch danach wird wieder alles gut sein...“
Sie versuchte sich aufzurichten, doch bei der kleinsten Bewegung durchfuhr ein ungeahnter Schmerz ihren Körper, als hätte man ihr einen Speer durch die Brust gestoßen und sie wusste, dass die Kugel aus dem Gewehr tief in sie eingedrungen war. Das Blut konnte nicht aufgehalten werden und es füllte ihre Lungen, ihren Mund...
‚...danach wird wieder alles gut sein.’ Sie ließ sich diese Worte durch den Kopf gehen. Ja, vielleicht würde es sogar noch schöner sein und ganz anders.


Deep in my heart I'm concealing
Things that I'm longing to say
Scared to confess what I'm feeling
Frightened you'll slip away
You must love me


Lange lag sie da und nur das Heben und Senken ihre Brustkorbs deutete an, dass sie noch nicht die Grenze überschritten hatte.
Doch mit jedem Atemzug, wurde es schwerer, sich an das Leben zu klammern.
“Ist dies das Ende?“ Sie brauchte es nicht einmal auszusprechen, in ihren Augen stand die Frage deutlich geschrieben. Die Hoffnung hatte sich verloren wie im Nebel und ihr Blick wirkte verklärt, fast als wäre sie schon über die Schwelle getreten. Doch so weit war es noch nicht, noch stand sie davor.
„Nein“, sagte er und setzte sich dicht neben sie. „Noch ist es das nicht.“
„Was muss ich tun?“
„Auf dem Weg bleiben, du darfst ihn nicht verlieren.“
„Alles ist dunkel, ich sehe Nacht.“
„Du darfst dich nicht verlieren. Ich bin hier.“ Er legte sich dicht an ihre Seite, sodass sie ihre warmen Körper fühlen konnten. Er wusste nicht, was er tun konnte. Beinah verkrampft lag sie da, doch als er sie führte, entspannte sie sich.
Auch die Dunkelheit war etwas, auch sie gehörte dazu, zu dem Licht und dem Leben. Sie konnte den Weg nicht erkennen, aber er lag klar und deutlich unter ihr, vor ihr. Es war so leicht ihn zu beschreiten an seiner Seite.
„Bleib bitte bei mir“, murmelte sie. „Ich habe Angst vor der Einsamkeit.“
„Das brauchst du nicht. Wir werden beide nicht alleine sein.“
„Lass mich nicht los! Halte mich fest, lass die Liebe nicht vergehen!“
„Das wird sie nicht. Doch ich kann dich nicht halten, auch wenn ich es mir wünsche. Du darfst keine Angst haben, die Brücke liegt vor dir, du bist schon zur Hälfte hinüber. Siehst du das Ufer?“
„Ja. Es ist so anders. Kein Fliehen, kein Kämpfen, kein Jagen. Frieden. Und Freiheit.“
Langsam senkte sich die Stille herab, genauso wie die Sonne. Doch sie würde für manche nicht mehr aufgehen, vor andere würde sie anders aufgehen als sonst. Ganz gleich ob es scheint, dass sie sich in einem ewigen, gleichen Zyklus bewegt, man sieht sie immer anders. Denn auch wenn sie selbst sich nicht merklich ändert, so wandelt sich doch die Welt und diejenigen, die sie sehen.
Ihre letzten Strahlen berührten den grauen Pelz und strichen noch einmal darüber. Der letzte Schimmer erreichte ihre Augen, bevor diese sich schlossen und dem anderen Licht entgegenblickten. Er blieb allein zurück. Allein und einsam.
Sie waren beide nur so weit gekommen, weil sie zusammen gehalten hatten. Doch das war nicht der einzige Grund, warum ihr Zusammenhalt ihnen die unendlichen Wege des Lebens geöffnet hatte.
„Ich liebe dich“, murmelte er.
Zum letzten Mal berührte seine Schnauze ihre, bevor er sich mit hängendem Kopf und eingezogenem Schwanz umwandte und langsam zwischen die Bäume schritt. Die Sonne verschwand, das Licht verblasste und mit ihr das Bild. Doch der Schnee erhellte weiterhin alles und auch in der Dämmerung sah man deutlich den leblosen Körper der Wölfin und die Blutspur im Schnee.

Die Nacht zog herauf und aus der Dämmerung wurde Dunkelheit. Ein Uhu rief, doch sein Ruf blieb unbeantwortet. Zunächst.
Der Mond ging auf und sein unvergleichbar silbernes Licht hüllte das ganze Tal ein. Als sanft leuchtende Scheibe stand er am Himmel und sah hinab auf den Wolf, der einsam auf einem Felsen saß. Es schien fast, als wäre er in Gedanken versunken.
Dann plötzlich hob er den Kopf und sein graues Fell verlor alle Schatten und das Mondlicht verwandelte es in einen silbernen Pelz. Er richtete sich auf und legte den Kopf in den Nacken. Still sah der Mond auf ihn herab, als er sein klagendes Geheul ausstieß und sich ganz dem Rausch der Nacht und des silbernen Mondlichts hingab. So, wie sie es immer getan hatten.

 ~ You Must love me ~

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To the Edge of Night
Autor: Runa
Teil: 1/1
Warning: Tod
Anmerkung: das Lied stammt aus HdR (gesungen von Billy Boyd); der text ließ zwar kein happy End zu, aber es ist nicht ganz melancholisch.

Home is behind
The world ahead

Die Ebene schien sich bis ins Unendliche zu erstrecken.
Er spürte den weichen Boden unter sich. Taufeuchtes Gras, Nebel, der sich sanft um ihn hüllte und auf ihn legte. Er konnte nicht weit sehen, doch er kümmerte ihn nicht.
Er rannte, rannte einfach drauf los, ins Ungewisse, spürte die Freiheit, wenn er im dahinflog.
Doch es war keine Freude, die ihn dabei überkam, nur das Gewissen, dass es das Letzte war, das ihm geblieben war, denn Verstoßene haben nichts, das sie ihr Eigen nennen können, außer sich selbst, ihrem Leben und ihrer beschränkten Freiheit. Er war allein, vor ihm war alles unendlich.
Er erinnerte sich wage an das Gefühl der Geborgenheit, der Gemeinschaft. Doch es war Vergangenheit.

There are many paths to tread

Er wusste nicht, wohin er gehen sollte.
Es war ihm egal. Jeder Weg war gleich. Jeder barg dieselben Gefahren, dieselbe Unendlichkeit.
Es war überall derselbe Boden, den er unter sich spürte. Überall derselbe, alles umhüllende Nebel.
Und doch waren es so viele Wege, die er einschlagen konnte und er musste einen wählen. Es gab kein Halten, keine Pause, nur die rhythmische Bewegung der Beine und das Gefühl sich davon tragen zu lassen, ganz gleich ob es einen bis an das Himmelstor oder das Ende der Welt bringen würde.

Through shadow
To the edge of night

Ihm blieb keine Zeit, sich umzusehen. Er wollte es nicht, denn umsehen bedeutete auch zurücksehen. Doch die Vergangenheit war fort und sie würde ihn nicht einholen. Dafür lief er zu schnell, immer schneller, nur darauf bedacht ihr zu entkommen.
Er war ein Verstoßener, ein verbannter der Gemeinschaft des Rudels. Es gab nichts mehr, das ihn zurückhielt.
Anfangs hatte er sich in der Dunkelheit einsam gefühlt. Jetzt war es selbst. Sie umhüllte ihn und das Licht über ihm war zu blass, um bis an sein innerstes vorzudringen. Dies war sein Weg und was an dessen Ende stand war unbekannt. Vielleicht war es wieder die Unendlichkeit oder der Rand der Nacht. Was dahinter lag, wusste er nicht.

Until the stars are all alight

Er rannte weiter. Er würde nicht aufhören, nicht bis er all dies beendet hatte. Alles lag hinter ihm, nur er war noch dort und um all dies zu beenden, musste er auch sich selbst hinter sich lassen.
Noch immer war das Licht da. Er blickte manchmal zu ihm auf, doch es war blass und er konnte es nicht deutlich erkennen. Er wünschte sich noch einmal die Sterne zu sehen. Auch wenn er sie nicht sah, wusste er, dass sie da waren.
Während er lief, spürte er, wie sie auf ihn herabsahen.
Er fühlte, wie er selbst eins damit wurde, mit der Dunkelheit und dem Licht. Sie gehörten zusammen, das eine war ohne das andere nichts wert.
Er kämpfte, kämpfte darum aus der Dunkelheit herauszukommen. Die Sterne wurden heller, fast als würden sie brennen. Doch wo ein Feuer ist, da bleibt am Ende nur Asche. Sie durften nicht vergehen.
Er rannte noch immer. Die Sterne waren ihm zum Wegweiser geworden und er folgte ihnen auf einem Weg, den er nicht kannte. Der einzige, den er vorher nie beschritten hatte.

Mist an shadow
Cloud an shade

Er war umhüllt von Nebel, Wolken und Schatten. Sie schienen mit ihm zu laufen und gleichzeitig zu jagen. Doch er gönnte sich keine Pause, sonst hätte er gesehen, dass es sein eigener Schatten war, der Schatten der Verzweiflung.
Es war die einzige Gesellschaft, die er hatte.
Der einzige, der ihn begleitete, seit sie ihn verstoßen hatten.
Er war ein Teil von ihm.
Es war eine späte Erkenntnis, zu spät.
Der Weg war jetzt verschwunden, seine Beine versagten ihm den Dienst. Doch er kämpfte nicht länger gegen seinen Schatten.

All shall fade
All shall fade

Sie waren nicht mehr über ihm, sondern vor ihm. Er glaubte sie fassen zu können, so schön und leuchtend. Er konnte sie spüren, ihr Licht war in ihm und die Dunkelheit umhüllte ihn. Er war ein Teil von ihnen, ein Stern am unendlichen Himmel. Etwas, das niemals vergehen würde, auch wenn die Welt ihre Bedeutung verlor.

Er lag einfach so da, inmitten den unendlichen Grasfläche.
Er hechelte nicht mehr, sein Brust bewegte sich nicht.
Sein grauer Pelz war zerzaust, verfilzt und das Fell mit Schlamm verschmiert. Raureif bedeckte ihn, doch er spürte es nicht. Er konnte es nicht mehr.
Schaum stand an seinem Mund, doch der Speichel war fast angetrocknet und die Zunge hing ihm aus dem Maul. Seine Beine hatten ihn lange getragen, was schon fast an ein Wunder grenzte, so zerschunden und zerkratzt sie waren. Er war gelaufen bis zum Ende, gehetzt von jenen, die ihn verstoßen hatten und auch von sich selbst.
Es war ein Weg ins Ungewisse gewesen, ein Kampf gegen das Dasein und er hatte gesiegt.
Der Nebel lichtete sich, doch er würde es nicht mehr sehen, noch würde er die Möglichkeit haben sein Handeln zu bereuen. Es gibt Grenzen, die wir nur einmal überschreiten und der Sonnenaufgang nach der Nacht erreicht uns nicht mehr, er beleuchtet nur noch das Bild des Endes, das wir in unserer Verzweiflung wählen, ohne uns umzusehen, zu erkennen was das Leben bedeutet.
Er war vor seinem Schatten geflohen, vor sich selbst, doch da wo Licht ist, muss auch ein Schatten sein. Er war vor seinen eigenen Schattenseite geflohen.
Regungslos lag der Körper da, doch er selbst war fort, weit entfernt, bei den Sternen.



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